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Philippe Starck – Herr der Dinge

Das beste Design der Welt, ist der Mensch.
(Philippe Starck)

Seit über 30 Jahren ist er aus der Designwelt nicht mehr wegzudenken. Fast jeder hat schon eine seiner Kreationen benutzt oder zumindest gesehen: Der französische Designer Philippe Starck ist einer der bekanntesten Vertreter des Neuen Designs, seine Produkte und Möbel sind funktionell und schlicht, aber trotzdem außergewöhnlich. Zu seinen Kunden gehören Hersteller wie Alessi, Duravit, Microsoft, Fossil, Puma oder Vitra.

Tafelaufsatz "Les Ministres"

Bild: Alessi

Philippe Starck wurde als Sohn eines Flugzeugkonstrukteurs und Erfinders in Paris geboren. Nach seinem Studium gründete er einen Betrieb für aufblasbare Objekte und wurde künstlerischer Leiter bei dem Modemacher Pierre Cardin. Mitte der 70er Jahre war Starck als Innenarchitekt tätig und entwarf Boutiquen und Bars in Paris, die sich durch kühle Distanz auszeichneten.1980 gründete er die Firma „Starck Products“. Wie ein Ritterschlag war es für ihn, als er zwei Jahre später erfuhr, dass er die Privaträume des damaligen Staatspräsidenten François Mitterrand im Élysée-Palast gestalten darf. In den folgenden Jahren entwarf Starck Haushaltsgeräte, Bestecke, Messer, Flaschen, Büroartikel, Vasen, Uhren, Möbel, Fernseher, Teppiche, Bäder, Restaurants, Hotels und erreichte mit seinem schrägen und witzigen Stil Weltruhm.  In Paris entstand sogar ein kompletter Straßenzug nach seinen Plänen, die „Rue Starck“: Philippe Starck macht’s einfach – einfach genial. Zuletzt entwarf er sogar Mode. Viele seiner Objekte zeichnen sich durch Humor aus. So heisst sein Telefon ‘Alo’ und seine kleine Leuchte ‘Miss Sissy’.

Alessi Zitronenpresse

Bild: Alessi

Starck versucht nicht, mit seinen Werken zu provozieren. Er entwirft vor allem Produkte, die im Vergleich mit anderen Designern auch bezahlbar sind, verwendet natürliche Formen und kombiniert gerne ungewöhnliche Materialien, wie Plüsch und Chrom. Einer seiner bekanntesten Produktentwürfe ist die raketenförmige Zitronenpresse „Juicy Salif“ aus Aluminium, für den italienischen Hersteller Alessi. Sie ist vermutlich eines der bekanntesten Designobjekte des 20 Jahrhunderts. Im Vordergrund standen dabei nicht die funktionalen Qualitäten: die spitzen Füße bohren sich in die Arbeitsplatte und es gibt kein Sieb, um die Kerne aufzufangen. Außerdem entwarf Starck viele andere (Küchen-)Accessoires, wie z.B. den Wasserkessel „Hot Bertaa“, rechteckige Schalen und die Wanduhr “Walter Wayle II“ für die Designfabrik. Die Uhr ist aus thermoplastischem Kunststoff und besteht nur aus den Zeigern, die sich im freien Raum an der Wand drehen.

Alessi Uhren

Bild: Alessi

Das Designprinzip von Philippe Starck ist das Prinzip der Reduktion oder „Ethik des Weglassens“, so vermeidet er jedes unnötige Dekor. Er ist ein Stardesigner und sagt dennoch: “Alles, was ich gestaltet habe, ist absolut unnötig. Ein Beruf, der Sinn hat, ist Biologe oder Astronom. Ich habe versucht, meinen Produkten etwas Sinn und Energie zu geben und den Job in etwas Rebellisches zu verwandeln.“
Vom Caféhaussessel bis zur Zahnbürste in Flammenform vom Hocker bis zum Fertighaus hat Philippe Starck beinahe alles entworfen. Er schafft es wie kaum ein anderer Designer, ein ästhetisches Äußeres und das Alltägliche zu einer kunstvollen Einheit zu vereinen, ohne die Funktion außer Acht zu lassen. So wird ein banaler Gebrauchsgegenstand zu einem meisterhaften Designerstück. Heute ist die Marke Starck ein weltweites Unternehmen. Das Sortiment reicht von einer 12-Euro-Fliegenklatsche bis zur 200-Millionen-Jacht für einen russischen Milliardär. Der Designer hat in seiner Verknüpfung von Industrie-Askese mit kostbarem Kunsthandwerk einen “seinen” Stil entwickelt. Wenn wir ein Objekt von Philippe Starck entdecken, betreten wir eine Welt voller Überraschungen, Fantasie und Ideenreichtum. Als Produktdesigner gewann er Kontur durch seine lebendige Formensprache und seine eigensinnige Farbgebung.
Unter der Dachmarke “Design-Hotels” eröffnete das erste italienische Hotel, das von Philippe Starck gestaltet wurde. Aus Holz, Stein und alten Ziegeln hat er das „Palazzina Grassi“ in Venedig arrangiert, dessen Kleiderschränke komplett verspiegelt sind. Es vereint Tradition und Moderne auf elegante Weise und liegt direkt am Canale Grande.

Auszeichnungen
1999 – A&W-Designer des Jahres (Zeitschrift „Architektur & Wohnen“)
2004 – Lucky Strike Designer Award (Raymond-Loewy-Stiftung)

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