Dibbern Solid Color: „Form 98“ von Herrmann Gretsch

Die Schönwalder Porzellanfabrik, ursprünglich ein Sägewerk, wurde 1879 von Johann Nicol Müller gegründet. Ende der 19. Jahrhunderts entdeckte Schönwald das Gastronomieporzellan als lukratives Verkaufsfeld. 1937 entwickelte man erstmals Hotelporzellan, das in seiner eleganten Erscheinung stets mit edlem Haushaltsporzellan konkurrieren konnte. Es wurde verschönert und zum Kernpunkt gehobener Tischkultur in Hotels und Restaurants gemacht.
Mit der immerwährenden Philosophie „Hotelporzellan muss funktionell sein und den speziellen Qualitätsanforderungen der Gastronomie in jeder Hinsicht genügen“ wurde die Porzellanfabrik Schönwald zu einem der geschätzten Porzellanproduzenten der Welt, der auf vielen internationalen Märkten anerkannt und präsent ist. Das Gütesiegel „Echtes Markenporzellan“ kennzeichnet Schönwald weltweit als Garant für Professionalität, beste Material-, Verarbeitungs- und Designqualität.

Bild: Dibbern

Hermann Gretsch, der nach einem Architekturstudium als Keramiker arbeitete, designte Geschirr und Besteck für Porzellanhersteller, wie Schönwald (als künstlerischer Mitarbeiter) und POTT. 1936 erschien die legendäre „Form 98“ aus Hotelporzellan, welches Herrmann Gretsch für Schönwald entwarf und damit die Designkompetenz der Porzellanfabrik einleitete. Es war die erste, bis ins kleinste Detail durchgearbeitete Hotelgeschirrserie in der Historie des Porzellans, die auf dem Markt erschien und ebenso die erste, bei dem jedes Teil der Form nach zu jedem anderen der Serie hinzugefügt werden konnte. Herrmann Gretsch, der visionäre Formen für die Porzellanindustrie kreiert hat, sah in ihr eine “formgewordene Notwendigkeit”, eine vollkommene Symbiose von Nutzen und formaler Schönheit, das heißt eine praktische und gleichzeitig künstlerische Form. Eine Dekorierung wurde von Gretsch immer abgelehnt, denn er war der Ansicht, dass undekoriertes Geschirr zweifellos am schönsten ist.
Für Carl H. Pott war Herrmann Gretsch „der Schrittmacher für modernes und zeitloses Design auf allen Gebieten.“
1947 entwarf Gretsch das „Modell 81“, welches POTT bis heute produziert. Ebenfalls von ihm im Element entworfen wurde das POTT-Besteck 83, das nach dem Tod von Gretsch 1950  fertiggestellt wurde.

Schönwald stellt  die “Form 98″ in weiß her. Die Farbgestaltung erfolgt von Dibbern. Sie wird seit ca. 27 Jahren auf das Geschirr aufgetragen und machte die “Form 98″  zu “Solid Color” und zu einem Kultgeschirr mit mittlerweile 37 Farben.
Die Kreation der „Form 98“ ist und bleibt die Geburt der Design-Erfahrung von Schönwald
. Ein Geschirr, das selbst nach mehr als 70 Jahren zeitlos, modern und klassisch geblieben ist, die Konkurrenz immer wieder überdauert hat und bis heute unverändert erfolgreich verkauft wird, ist ein solch bestehender Erfolg, dass er wohl auch die Zukunft erobern wird.

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Ein Gedanke zu „Dibbern Solid Color: „Form 98“ von Herrmann Gretsch

  1. Sieg,Hannelore

    Sehr geehrte Tatjana,

    vielen Dank für Ihren Artikel (http://www.lotharjohn.de/blog/2010/09/dibbern-solid-color-form-98-von-herrmann-gretsch/).

    Ich habe nur ein winziges historisches Detail zu berichtigen: Meine Oma kaufte in den 1930er Jahren die Form 98 von Prof. H. Gretsch in Kornblumenblau und ergänzte durch Nachkauf fehlende Teile mit Form 1382 von Prof. H. Gretsch ( heute von Arzberg) ebenfalls in Kornblumenblau. Ferner ist in Familienbesitz ein sonnengelber Krug in Form 98, der auch von vor dem 2. Weltkrieg stammt wie auch ein weiterer Krug in einer Art Bauhaus-Design in der Außenfarbe Apricot.

    Daraus folgt: Selbst wenn Prof. Gretsch die weiße Form bevorzugte, so hat es dennoch ähnliche Farben wie Solid colour schon gleich zu Beginn des Verkaufs vor dem 2. Weltkrieg gegeben und nicht erst seit 27 Jahren – also seit ca. 1983 – durch Dibbern, wie im Übrigen auch dieses Foto beweist:

    ebay.de/itm/RIESIGE-KAFFEEKANNE-VILLEROY-BOCH-METTLACH-Prof-HERMANN-GRETSCH-ZURICH-XXL-/300648616754#ht_2800wt_1101

    Leider kann ich Ihnen keine Fotos unseres Geschirrs zeigen, denn meine Familie ist in einem Rechtsstreit um das Erbe aus Häusern und Grundstücken zerrüttet.

    Vielleicht auch deshalb sammle ich Solid Color seit ca. 1990 und besitze auch längst vergriffene mehrfarbige Volldekore auf Tellern aus den 1990er Jahren, die uns viel Freude bereiten.

    MfG

    Ha. Sieg

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